Das Kletten-Labkraut

Kletten-Labkraut oder Galium aparine heißt ein alter Bekannter aller Hundebesitzer in Europa (Anmerkung der Redaktion: Gemeint sind hier Halter von “richtigen” Hunden – in Designer-Damenhandtaschen ist das Kletten-Labkraut weitgehend unbekannt), dessen Früchte sich nur allzugern in Fellen verfangen. Aber auch die meisten Kinder dürften bereits Bekanntschaft mit dieser Pflanze gemacht haben, schließlich ist sie ein natürliches Gadget der Extraklasse, welches sich durch seine “klebrigen” Blätter hervorragend auf Kleidungsstücken, nahezu fabelhaft jedoch im Haupthaar applizieren läßt. Besonders gute Freunde des änhänglichen Gewächses sind jedoch die Getreidebauern, in deren Feldern das Kletten-Labkraut als Ackerunkraut für beträchtliche Ernteausfälle sorgen kann.

Galium aparine ist allerdings nicht nur nervig, sondern hat auch durchaus schöne und nützliche Seiten zu bieten: Die Pflanze aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) ist häufig in Hecken und an Waldrändern, besonders oft jedoch auf Feldern und Äckern anzutreffen. Hier wächst sie als sogenannter Spreizklimmer, das sind Pflanzen, die mithilfe ihrer häufig stacheligen Triebe an anderen Pflanzen, Steinen, etc. emporklettern. Im Falle des Kletten-Labkrautes sehen die Stacheln etwas anders aus, als man das von anderen Spreizklimmern wie Brombeeren oder Rosen gewohnt sein mag: Sowohl an der Sproßachse als auch an den Blättern von Galium aparine befinden sich zahlreiche, gerade noch sichtbare Stachelborsten, die ihre Aufgabe trotz ihrer geringen Größe, so wie “herkömmliche” Stacheln tadellos erfüllen.

Klettenlabkraut1 in Das Kletten-Labkraut

Die hohe Dichte der Stachelborsten in Kombination mit der vierkantigen Form des Stängels sorgen für einen optimalen Kontakt zur Kletterhilfe und machen das Kletten-Labkraut eigentlich zur Klette schlechthin. Das zu sechst bis neunt quirlständige Laub der Pflanze ist dabei meist frischgrün gefärbt und von lanzettlicher bis elliptischer Form. Besonders hübsch sind die kleinen Blüten von Galium aparine, die mit ihren weißen Kronblättern ein bißchen an winzige Cornusblüten erinnern und in einer Trugdolde zusammen, in achselständigen Teilblütenständen stehen. Die olivfarbenen Früchte sind ebenfalls dicht mit hakenförmigen Borsten besetzt, was ihnen die gut bekannte Haftfähigkeit verleiht.

Diese Haftfähigkeit der Früchte ist für die Fortpflanzungsstrategie der Pflanze von größter Bedeutung, da das Kletten-Labkraut ja eine einjährige Pflanze ist und sich somit nur mithilfe ihrer Samen vermehren kann. Diese sind speziell auf felltragende Säugetiere wie Menschen, Hunde, etc., zugeschnitten, an denen sie, wie bereits erwähnt, hervorragend haften und so über weite Strecken transportiert werden können. Laut Wikipedia wurde jedoch auch eine Ausbreitung im Wasser, durch Vögel, Windausbreitung oder als Bodenroller beobachtet – Ein echter Chuck Norris, dieses Kletten-Labkraut… Ach ja: Als wahrer Alleskönner ist Galium aparine ganz nebenbei noch Futterlieferant für mehr als 40 Insektenarten, von denen sich einige auch ausschließlich, also monophag von dieser Pflanze ernähren, beispielsweise der Tatzenkäfer.

Was den Standort angeht ist das Kletten-Labkraut ein wenig anspruchsvoller, wenn man mal von seinem geringen Lichtbedürfnis absieht. Man findet die Pflanze besonders häufig an Stellen mit einer erhöhten Stickstoff-Verfügbarkeit, sie ist deshalb eine hervorragende Zeigerpflanze sowohl für stark stickstoffhaltige als auch für lehmige Böden. Das einizge, was sie wirklich nicht mag ist ein Rückschnitt mit dem Rasenmäher und besonders trittfest ist sie auch nicht. Wenn man möchte, wird man die Pflanze allerdings auch anders los, denn Galium aparine ist ein mehr oder weniger köstliches Wildgemüse, wobei die jungen Blätter und Triebspitzen den Vorzug erhalten und viel besser schmecken, als die älteren Pflanzenteile. Für den Landwirt eignet sich die Methode allerdings nicht, hier bleibt nur der Griff zur chemischen Keule…

Kategorie(n): Flora
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