Der Klebrige Hörnling

Heute möchte ich noch ein natürlich Fundstück aus dem Oktober nachreichen, das für den ein oder anderen sicher nicht ganz alltäglich ist: Bei einem kleinen Waldspaziergang hab ich nämlich tatsächlich einen klebrigen Hörnling (Calocera viscosa) entdecken können, der manchmal auch Klebriges Schönhorn oder auch Goldgelbe Koralle genannt wird, wobei letztere Bezeichnung zwar gut zur optischen Erscheinung des klebrigen Hörnlings passt, jedoch falsch ist (die Goldgelbe Koralle bzw. Ramaria aurea ist eine völlig andere Pilzart). Bei ihm handelt es sich um einen Ständerpilz aus der Familie der Tränenpilzverwandten, den man in Nadelwäldern und hier vorzugsweise unter Fichten finden kann.

Hier bildet er Organismus im Totholz das eigentlich Pilzgeflecht, das sogenannte Myzel, was für uns Menschen im Prinzip unsichtbar ist, bis zu bestimmter Zeit jedoch die Fruchtkörper des Pilzes zur Vermehrung gebildet werden. Diese wachsen nämlich gut erkennbar an der Oberfläche und sind beim typischen Ständerpilz normalerweise in einen Stiel und einen Hut unterteilt, in dessen Fruchtschicht schließlich die Sporen des Pilzes produziert werden. Damit sehen die Ständerpilze aus, wie man sich den Prototyp des Waldpilzes eigentlich vorstellt, im Falle des Klebrigen Hörnlings ist das allerdings etwas anders und nicht umsonst wird er gerne mal mit der Goldgelben Koralle verwechselt:

Klebrigerh Rnling in Der Klebrige Hörnling

Zwar bildet auch der Klebrige Hörnling Pilzsporen und Fruchtkörper zur Vermehrung, diese sehen allerdings nicht gerade besonders “pilzartig” aus, zumindest was die Fruchtkörper betrifft (die Sporen sind nur wenige Mikrometer groß und quasi unsichtbar): Statt dem klassischen Sti(e)l mit Hut, besitzt der Klebrige Hörnling tatsächlich korallenartig geformte Fruchtkörper, die ein wenig aussehen wie kleine Gummitentakeln. Sie stehen in der Regel in einem kleinen Büschel zusammen und werden etwa 5 cm groß, dabei sind sie hell orange bis leicht gelblich gefärbt und an ihrem Ende oftmals gegabelt bzw. verzweigt. Statt in einer Hutunterseite werden die Sporen bei Calocera viscosa hier produziert.

Die Oberfläche der hübschen Dinger fühlt sich etwas glitschig und klebrig an, daher kommt dann wohl auch der deutsche Beiname des Hörnlings. Insgesamt kann man die Konsistenz des Fruchtkörpers und dessen Fleisches als eher gummiartig und sehr zäh beschreiben, was ein gutes Unterscheidungsmerkmal zur “echten” Goldgelben Koralle ist, da hier das Fleisch eher wässrig ist. Zudem ist auch der Gesamthabitus der Korallenpilze noch korallenähnlicher, fast schon blumenkohlartig, im Vergleich zum eher zierlich wirkenden Klebrigen Hörnling, dessen orangegelbe Fruchtkörper sich beim Eintrocknen außerdem leicht rötlich verfärben, sodass ein feuerähnlicher Farbverlauf entsteht.

In die Unterabteilung der Ständerpilze Agaricomycotina, zu der auch der Klebrige Hörnling gehört, werden auch viele bekannte Speisepilze eingeordnet (Champignons, Steinpilze, etc.), welche zum Verzehr gesammelt werden, allerdings sind Geruch und Geschmack von Calocera viscosa unbedeutend. Zwar soll der Pilz nicht giftig sein, auf den Verzehr sollte man jedoch im Zweifel verzichten, schließlich besteht ja auch noch die Verwechslungsgefahr mit den Korallenpilzen und unter diesen gibt es durchaus giftige und ungleich unbekömmlichere Vertreter.

Kategorie(n): Fauna
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Hi, ich freu mich einen weiteren Naturfreund in der Bloggerwelt kennenzulernen, danke auch für deinen Besuch auf meiner Seite.
Wie ich feststelle, scheinst du dich in der Pilzwelt auszukennen, das ist prima, denn da habe ich durchaus Schwierigkeiten Arten zu bestimmen.
Ich wundere mich allerdings, wieso du Pilze unter der Rubrik Fauna einordnest?
LG
Sisah


Naja, viele Pilze kann ich auch nicht ohne Hilfe bestimmen, wenn’s nicht grad Champingon & Co. sehen sich die meisten auf den ersten Blick ja schon recht ähnlich.
Pilze sind zwar weder Pflanzen noch Tiere, die “richtigen Experten” sind jedoch der Meinung, sie stünden den Tieren näher als den Pflanzen, daher die Fauna-Kategorie. Vielleicht spendier ich irgendwann mal die “Fungi”…

LG zurück


Ja spendiere mal….das steht ihnen in ihrer Einzigartigkeit zu :-))
LG
Sisah