Der Sklerotien-Porling

Wer einen naturnahen Garten sein Eigen nennt oder des Öfteren im Wald spazieren geht, der kennt vielleicht einen hübschen Totholzbewohner, der in mediterranen und gemäßigten Gebieten der Nördlichen Halbkugel verbreitet ist, jedoch nicht allzu oft auftaucht: Den Sklerotien-Porling Polyporus tuberaster, manchmal auch Sklerotien-Stielporling genannt. Dies ist ein Pilz, genauer gesagt ein Ständerpilz, aus der Familie der Porlingsartigen Pilzen, den Polyporaceae, der als Saprobiont von totem organischen Material lebt.

Damit ist er und viele seiner Mitstreiter sozusagen die Müllabfuhr des Waldes und für das Recycling von umgestürzten und morschen Bäumen zuständig, dabei scheint er sich einigermaßen auf den Verzehr von Eichen und Buchen spezielisiert zu haben, denn hier trifft man ihn besonders häufig. Hier erkennt man ihn an seiner typischen Pilzartigen Erscheinung, das heisst man sieht in Regel nur die gestielten Fruchtkörper mit dem charakteristischen Hut. Das eigentliche Pilzgeflecht des Sklerotien-Porlings liegt (wie bei den meisten Pilzen) verborgen im Substrat, wobei der Pilz hier eine kleine Besonderheit zu bieten hat, die Sklerotien, aber dazu später mehr. Zunächst sei erst einmal das hübsche Äußere des Pilzes beschrieben:

Sklerotien-Porling in Der Sklerotien-Porling

Der Fruchtkörper des Sklerotien-Porling ist wie gesagt in Stiel und Hut unterteilt, wobei sich die Form und das Aussehen des Hutes mit zunehmendem Alter des Pilzes verändert: Zunächst ist der Hut nahezu rund, flach gewölbt mit einem mittig angebrachten Stiel, später ist der Hut eher trichterförmig und oftmals mit einem exzentrisch sitzenden Stiel (wie auch bei dem von mir gefundenen Exemplar auf dem Bild). Sowohl Stiel als auch die Unterseite des Hutes des Fruchtkörpers sind weißlich bis leicht cremefarben gefärbt, während die Oberseite des Hutes meist gelblich bis ockerfarben geschuppt erscheint. Der Hut kann dabei bis zu 15 cm durchmessen, was aber nur bei entsprechend alten Exemplaren mit guter Nahrungsgrundlage möglich ist.

Und nun zur Besonderheit des Sklerotien-Porlings: Wie der Name schon sagt, bildet der Sklerotien-Porling manchmal Sklerotien, aus denen direkt die Fruchtkörper erscheinen können. Ein Sklerotium ist dabei eine Art Dauerform, die sich in einem fest verflochtenen und geballten Myzel, mit darin eingeschlossener Erde äußert. Diese feste Mycelmasse kann sowohl anhaltende Kälte als auch langen Trockenheitsperioden widerstehen und stellt wahrscheinlich eine Art von Speicherorgan dar, auf das der Pilz nach der Zersetzung zurückgreifen kann. Gebildet werden diese Sklerotien, auch Pilzsteine genannt, scheinbar nicht an allen Standorten gebildet, wahrscheinlich findet man sie bei Polyporus tuberaster eher an trockenen und warmen Standorten.

Wie viele seiner Ständerpilz-Kollegen (die meisten Speisepilze, die gesammelt werden können, sind Ständerpilze) ist übrigens auch der Sklerotien-Porling essbar, zu den gängigen Speisepilzen zählt man ihn allerdings nicht gerade, auch wenn der Geschmack recht mild sein soll. Wer ihn unbedingt probieren möchte, sollte dies nur nach einer 100%ig zweifelsfreien Identifiktation tun, im besten Fall verwechselt man den Pilz mit dem recht ähnlichen, jedoch viel größer werdenden Schuppigen Porling, der dann glücklicherweise ebenfalls essbar und ungefährlich wäre, jeder weiss jedoch, dass es auch gefährlichere Pilze gibt…

Kategorie(n): Fauna
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