Der Waldmistkäfer

Trotz des miesen Wetters war gestern wieder einiger Verkehr auf den Waldwegen im Bergischen Land, denn nachdem bei gutem Wetter ordentlich ausgeritten wurde, kam gestern der tierische Aufräumtrupp zum Einsatz zusammen: Zahllose Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) kümmerten sich um die aufgeweichten Hinterlassenschaften einiger Pferde, da musste man also besonders aufpassen, wohin man seine Füße setzte. Der momentan, aber eigentlich auch ganzjährig recht häufig anzutreffende Käfer stammt aus der Familie der Mistkäfer (Geotrupidae) und lebt hautsächlich in den Laubwäldern Europas, wo er sich oftmals als Wegelagerer seinen Pferdemist verdient, den er (neben anderem Kot Icon Confused in Der Waldmistkäfer ) besonders gerne mag. Das ist irgendwie eklig, erfüllt aber als natürliche Recyclingmaßnahme einen sehr guten Zweck…

Ein ausgewachsenes Exemplar dieser nützlichen Insekten wird bis zu 2 cm groß und ist dadurch ganz gut von dem ansonsten recht ähnlich aussehenden Gemeinen Mistkäfer zu unterscheiden, der nämlich noch ein ganzes Stück größer wird. Der Waldmistkäfer ist zudem schwarzblau bis blauviolett gefärbt, wobei die Deckflügel und auch der Halsschild meist mehr oder weniger metallisch glänzen. Die Fühler des Käfers hingegen sind bräunlich bis braunrot gefärbt und erinnern an ihrem Ende ein wenig an kleine, dreifingrige Händchen. Weiterhin gut zu erkennen ist der Waldmistkäfer an seiner Deckflügeln, die nahtlos scheinen und mit jeweils sieben Längsrillen verziert sind. Alles in allem also eigentlich ein recht hübsches Tierchen, wenn man von seinen ekligen Angewohnheiten mal absieht:

Waldmistk Fer in Der Waldmistkäfer

Wie bereits erwähnt ernähren sich die Waldmistkäfer vornehmlich von Kot, laut Wikipedia allerdings auch manchmal von Pilzen und Baumsäften. Es geht aber noch ein bisschen widerlicher: Im Frühjahr, der Paarungszeit der Käfer, bauen Männchen und Weibchen einen 70 cm bis 80 cm (!) tiefen Gang in den Erdboden, der in mehrere kleine Kammern und Nebengänge mündet. Bemerkenswert ist dabei die Arbeitsteilung der beiden Käfergeschlechter: Während sich das Weibchen um die Arbeit Untertage kümmert, ist das Männchen für den Abtransport des Aushubs zuständig. So weit, so gut – jetzt kommt der fiese Teil: Nachdem in jede kleine Höhle jeweils ein Ei gelegt wurde, wird ordentlich Sch**** rangeschafft und in die Kammern gestopft, damit der Nachwuchs direkt mit ausreichend Nahrung versorgt ist – So möchte man doch das Licht der Welt erblicken… Icon Smile in Der Waldmistkäfer

Außerdem bemerkenswert ist noch die Fähigkeit des Waldmistkäfers, Laute abzugeben, die wohl eine wichtige Rolle bei der Partnerfindung und Paarung spielen. Diese Geräusche kann man auch mit menschlichen Ohren hören, auch wenn man dazu recht nah an die Tierchen heran muss. Erzeugt werden diese Töne durch das Aneinanderreiben spezialisierter Teile des Skeletts, was der Fachmann als Stridulation bezeichnet. Sowohl die Männchen als auch die Weibchen besitzen diese Lautmechanismen.

Was auf dem obig gezeigen Foto aussieht wie eine Ansammlung von Eiern ist übrigens etwas ganz anderes, denn die Eier werden von dem Waldmistkäferweibchen nur unterirdisch abgelegt. Tatsächlich handelt es sich hierbei um einen bzw. mehrere blinde Passagiere, die den Mistkäfer als Taxi mißbrauchen: Käfermilben (Parasitus coleoptratorum ?) benutzen Anoplotrupes stercorosus häufig als Transportwirt, da sie dessen Vorliebe für Pferdemist teilen und ihr gemeinsames Ziel dadurch viel schneller und bequemer erreichen können.

Kategorie(n): Fauna
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