Die Weinbergschnecke

Sie ist wohl die größte einheimische Schnecke mit Gehäuse und fast jeder kennt sie und hat sie schon einmal gesehen: Die Weinbergschecke, Helix pomatia. Diese Landlungenschnecke gehört systematisch in die Familie der Helicidae und ist in ganz Mitteleuropa verbreitet, wo man sie aufgrund ihrer Größe sehr gut mit bloßem Auge entdecken kann: Ein ausgewachsenes Exemplar ist bis zu 10 cm lang und besitzt ein circa 6 cm großes Haus, das macht unterm Strich rund 30 g Weinbergschnecke…

Wer jetzt an den Verzehr der Tierchen denkt sollte wissen, dass die sympathische Weinbergschnecke in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Naturschutz steht und in Deutschland nach Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung sogar „besonders geschützt“ ist. Weinbergschnecken im heimischen Garten sind daher eine absolute Bereicherung, zumal man die Schnecken auch nicht als ernstzunehmenden Schädling fürchten muss: Der Einsatz von Giften und Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft und im Privatgarten hat den natürlichen Bestand dazu bereits zu stark dezimiert. Dennoch findet man ab und zu schon mal ein Exemplar und kann sich an der faszienierenden Lebensweise der Weichtiere erfreuen:

Weinbergschnecke1 in Die Weinbergschnecke

Wie die meisten Schnecken bewegt sich auch die Weinbergschnecke mit Hilfe ihres sehr beweglichen Fußes, wobei ihre Kriechsohle über eine glitschige Spur von Schneckenschleim gleitet. Auch die Fühler der Weinbergschnecke funktionieren wie die anderer Artgenossen: Die Schnecke besitzt jeweils zwei kleinere Fühler am Kopf und zwei etwas größere weiter oben, wobei die größeren Fühler jeweils ein Auge tragen. Diese können bei Berührung eingezogen werden, so wie sich auch der Gesamt Körper der Weinbergschnecke in das Gehäuse eingezogen werden kann, beispielsweise bei großer Gefahr oder während der Winterruhe. Ja, richtig gelesen, Weinbergschnecken halten Winterruhe, bzw. sie verfallen in eine Art Kältestarre:

Bevor sich die meisten krautigen Pflanzen und Stauden, die auf dem Speiseplan der Weinbergschnecke stehen, in die Erde zurückziehen, frisst sich die Schnecke nochmal einen ordentlichen Energievorrat an, verscharren sich mit Hilfe ihres Kriechfußes in die Erde und ziehen sich in ihr Haus zurück. Die Öffnung der Schale wird dann mit einem Kalkdeckel verschlossen, der oft pergamentartig dünn und auch nicht gerade der stabilste ist. Den dazu notwendigen Kalk findet Helix pomatia in ihrem Lebensraum, je größer das Angebot, desto stabiler das Häusschen und der Kalkdeckel im Winter. Das ganze Prozedere kann die Weinbergschnecke übrigens auch bei großen Trockenperioden und Wassermangel durchführen, um die Verdunstung einzudämmen. Hierbei spricht man dann von einem Trockenschlaf.

Weinbergschnecken sind übrigens nicht entweder weiblich oder männlich, sondern beides gleichzeitig: Aufgrund ihrer zwittrigkeit produzieren alle Exemplare sowohl männliche als auch weibliche Keimzellen, allerdings können sie sich nicht selbst befruchten, für Nachwuchs sind also zwei Schnecken nötig. Diese paaren sich, indem sie sich sozusagen Fuß-an-Fuß aufrichten, dann rammen sie sich gegenseitig einen sogenannten Liebespfeil in den Fuß, was den Erfolg des Paarungsaktes durch ein anregendes Sekret steigern soll. Etwa einen Monat später gibt es dann etwa 50 Eier, die in der Erde versteckt und abgelegt werden. Hieraus schlüpfen dann später die Jungschnecken, von denen es allerdings nur etwa 5% schaffen, auszuwachsen.

Kategorie(n): Fauna
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