Integrierter Pflanzenschutz

Der integrierte Pflanzenschutz gilt als Leitbild des praktischen Pflanzenschutzes und ist eine Kombination von Verfahren, bei denen unter vorrangiger Berücksichtigung physikalischer, biologischer, biotechnischer, pflanzenzüchterischer sowie anbau- und kulturtechnischer Maßnahmen, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum beschränkt wird. Dabei sollen Wirtschaftlichkeit und Lebensvorgänge in der Natur nicht als Gegensatz, sondern als notwendige Ergänzung betrachtet werden:
Eine Bekämpfungsmaßnahme wird erst dann durchgeführt, wenn der durch den Schaden verusachte, finanzielle Verlust, die Kosten für die Bekämpfungsmaßnahme übersteigt. Hierbei spricht man von der wirtschaftlichen Schadensschwelle.

Der erste Schritt vor einer Bekämpfungsmaßnahme ist das Erkennen von Schadsymptomen und das stellen der richtigen Diagnose. Erst nachdem man die Schadursache gefunden hat, kann man effektiv dagegen vorgehen. Sichtbare Schäden können an allen Organen der Pflanze auftreten: Wurzel, Stängel, Blatt, Blüte und Frucht. Sie äußern dich durch Abweichungen zur gesunden Pflanze, wie z.B. Verfärbungen, Flecken, Fäulen, Verformungen, Verletzungen sowie Welk- und Absterbeerscheinungen. Die einzelnen Symptome können verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet diese nach Art der Pflanzenschäden zwischen unbelebten und belebten Schadursachen:

Belebte Schadursachen (parasitäre Erkrankungen) sind vor allem Tiere, Pflanzen oder Mikroorganismen wie  Pilze oder Bakterien. Für das Auftreten von Schäden muss ein Parasit, unter für die Vermehrung günstigen Bedingungen anwesend sein.
Tierische Schädlinge meint alle Tiere, die in der Lage sind Schäden an der Kulturpflanze zu verursachen. In der Regel tritt ein Befall in der Hauptvegetationsphase auf. Meistens treten Schädlinge folgender Gruppen der Tierischen Schädlinge auf:

  • Insekten
  • Spinnentiere
  • Schnecken
  • Vögel
  • Nematoden
  • Säugetiere (Wild und Nagetiere)

Insekten
Insekten vermehren sich in der Regel aus befruchteten Eiern, aus denen die Jungtiere (Larven) schlüpfen. Allen Insekten gemeinsam ist die meist deutlich sichtbare Gliederung des Leibes in Kopf, Brust und Hinterleib, der feste Chitinpanzer, das Vorhandensein von genau drei Beinpaaren. Da das feste Außenskelett nicht mitwachsen kann, muss sich das Insekt nach gewissen Entwicklungsschritten häuten und den zu klein gewordenen Chitinpanzer abstoßen. Außerdem charaktisierend für Insekten sind die verschiedenen Stadien, die das Tier in der Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Insekt vollzieht. Die Verwandlung nennt man Metamorphose.

Spinnentiere
Schädigende Spinnentiere sind meist Milben, die die Kulturpflanze dur Saugen schädigen. Sind sind in der Regel 0,2 – 2,6 mm groß und haben 8 Beine. Augrund ihrer geringen Größ, fällt es oft schwer den Befall frühzeitig zu erkennen. Besonders typisch für einen Milbenbefall sind in den meisten Fällen die Bildung von sogenannten Gallen oder feine Gespinste an den Blattunterseiten. Auch Spinnentiere sind Vektoren.

Schnecken
Schnecken werden unterteilt in Nackt- und Gehäuseschnecken. Sie schädigen die Pflanze durch großflächigen Blattfraß und hinterlassen oftmals Schleimspuren. Schnecken treten für gewöhnlich nur bei feuchten Witterungsverhältnissen auf und befallen am liebsten junge Blätter.

Vögel
Obwohl Vögel als Insektenvertilgermeist nützlich sind, können sie insbesondere in der Landwirtschaft Schäden verursachen. Sie fressen Saatgut und Früchte, zum Teil auch grüne Pflanzenteile

Säugetiere
Säugetiere wie Wild und Nager verursachen direkte Schäden durch Fraß an der Pflanze und können außerdem Krankheitserreger übertragen.

Nematoden
Nematoden sind kleine Fadenwürmer (auch Äalchen) die ins Pflanzeninnere eindringen oder das Substrat bevölkern um die Wurzel anzusaugen. Auch sie sind Vektoren und treten häufig in mehrjähriger Monokultur auf.
Mikroorganismen und Krankheiten

Bakterien
Bakterien sind echte Zellen, die über einen eigenen Stoffwechsel verfügen. Einige Bakterien leben Parasitär und bauen zur Energiegewinnung organische Substanzen ab. Sie vermehren sich durch Zellteilung, wobei eine Vermehrung unter günstigen Bedingungen etwa alle 15 Minuten vollzogen ist. Wie Viren dringen Bakterien in die Pflanze durch Wunden ein. Ihre Ausbreitung erfolgt durch die Luft, Vektoren, unsauberes Werkzeug, etc. Viele Bakterien sind hochinfektiös und daher meldepflichtig (wie z.B: Feuerbrand)

Pilze
Pilze sind Organismen, die sich ausnahmslos durch den Abbau von organischen Stoffen ernähren. Voraussetzungen für das vermehrte Auftreten von Pilzbefall einer Pflanze sind das Vorhandensein eines Erregers, entsprechende Witterungsverhältnisse sowie eine geschwächte Pflanze.

Viren
Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel, demzufolge handelt es sich nicht um eigene Lebewesen. Sie sind auf einen Wirt angewiesen, in dessen Zellen sie ihr Erbgut einschleusen, wo dieses verfielfältigt wird. Dadurch vermehrt sich ein Virus systematisch in der Pflanze.
Eine Viruserkrankung festzustellen ist sehr schwierig, das Viren für das menschliche Auge unsichtbar sind und die Krankheitssymptome nichtvirösen Krankheiten oftmals stark ähneln.
Übertragen werden Viren durch sogenannte Vektoren, d.h. andere tierische Schädlinge, die der Pflanze Wunden zufügen, durch die Viren in die Zellen der Kulturpflanze gelangen können. Auch mechanische Verletzungen verursachen Wunden, z.B. durch falsche Pflegemaßnahmen, etc. Eine Infektion durch bereits infizierten Pollen ist ebenfalls möglich.

Pflanzen als Schädlinge
Auch andere Pflanzen können die Kulturpflanze schädigen, indem sie mit ihr um den Standort, Nährstoffe, Wasser und Licht konkurrieren oder ein Zwischenwirt für Krankheitsserreger und Parasiten sind.Man kann die Pflanzen als Schadursachen in zwei verschiedene Gruppen einordnen:
Unkräuter und Ungräser. Als Unkräuter/-Gräser bezeichnet werden alle Pflanzen, die am Standort der Kulturpflanze unerwünscht sind. Unterschieden werden diese Pflanzen nach ihrer Art und Weise der Keimung: Einkeimblättrige Pflanzen sind alle Gräser, zweikeimblättrige Pflanzen sind z.B. Knöterich und Ackerwinde.
Unkräuter vermehren sich generativ und vegetativ, d.h. einige Arten vermehren sich hauptächlich mit Hilfe von Samen, während andere verstärkt Ausläufer bilden und komplett mit Wurzel entfernt werden müssen.

Um Schäden an der Kulturpflanze vorzubeugen, sollte der Standort so gewählt sein, dass er den Bedürfnissen der Pflanze entspricht und alle Wachstumsfaktoren ausreichend verfügbar sind. Auch bei der Sortenwahl sollte man sich, wenn möglich für wenig anfällige Sorten entscheiden. Direkte Pflanzenschutzmaßnahmen können verschiedener Art sein, es wird unterteilt in

  • mechanische Maßnahmen
  • biologische Maßnahmen
  • biotechnische Maßnahmen
  • physikalische Maßnahmen
  • chemische Maßnahmen

Mechanische Pflanzenschutzmaßnahmen
Mechanische Pflanzenschutzmaßnahmen sind in der Regel sehr effektiv, jedoch in der Anwendung wahrscheinlich die unbequemsten… Sie eigenen sich daher am besten für kleinere Flächen, wie den heimischen Garten oder die Bekämpfung von Schädlingen an Zimmerpflanzen.
Mechanische Maßnahmen sind beispielsweise das Absammeln und Einfangen von Schädlingen sowie das Entfernen krankhafter oder beschädigter Pflanzenteile.

Biologische Pflanzenschutzmaßnahmen
Biologische Pflanzenschutzmaßnahmen bezeichnen den Einsatz von sogenannten Nützlingen gegen Schädlinge. Diese Nützlinge sind in den meisten Fällen natürliche Fraßfeinde der Schädlinge oder Parasiten, die den Schädling als Wirt befallen. Ebenfalls denkbar ist der Einsatz von Mikroorganismen, die als Krankheitserreger für den Schädling gefährlich sind.
Biologische Pflanzenschutzmaßnahmen sind zum Beispiel der Einsatz von Marienkäfern gegen Blattläuse oder die Schlupfwespe gegen die weiße Fliege.

Biotechnische Pflanzenschutzmaßnahmen
Diese, schwer eingrenzbare Art der Schädlingsbekämpfung, meint die Umsetzung von Erkenntnissen aus der Biologie und der Biochemie in technisch nutzbare Elemente verstanden. Das bedeutet, dass sich natürliche Vorbilder abgeguckt und technisch gegen Schädlinge eingesetzt werden.
Biotechnische Schutzmaßnahmen sind unter anderem der Einsatz von Duftstoffen oder Hormonen gegen eine Verbreitung von Schädlingen.

Physikalische Pflanzenschutzmaßnahmen
Physikalische Maßnahmen erfordern in der Regel einen sehr großen Energieaufwand.
Zu Physikalischen Schutzmaßnahmen zählt z.B. das Sterilisieren des Substrates oder das Abflämmen von Unkräutern

Chemische Pflanzenschutzmaßnahmen
Der integrierte Pflanzenschutz schließt die Nutzung von chemischen Pflanzenschutz keinesfalls aus, mechanischen, biologischen, biotechnischen und physikalischen Schutzmaßnahmen sollten jedoch stets bevorzugt angewendet werden. Der griff zum chemischen Pflanzenschutzmittel sollte stets an letzter Stelle stehen, da er einen starken Eingriff in das natürliche Ökosystem darstellt und sich eine gewisse Rückstandsproblematik einstellt.

Chemische Pflanzenschutzmaßnahmen sind beispielsweise das Ausbringen von Insektiziden gegen Insekten, Fungiziden gegen Pilze oder Rodentizide gegen Nagetiere.

Kategorie(n): Fauna
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