Ökosystem Blumenwiese

Die Blumenwiese gilt meist als Inbegriff für ein besonders artenreiches Ökosystem und das obwohl sie, bis auf ein paar Ausnahmen, fast ausschließlich eine menschliche Erfindung und bei uns in Mitteleuropa eher unnatürliche Erscheinung ist: Ohne die Eingriffe des Menschen in die mitteleuropäische Flora, wäre unser Kontinent von Wald bedeckt und es gäbe nur einige wenige natürlichen Wiesen, wie die Bergwiesen und Salzwiesen im Wattmeer. Erst durch die nun bereits jahrtausendlange Bearbeitung der Natur durch den Menschen in Form von Rodung zur Gewinnung von Holz als Baustoff oder der landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche, konnten sich Blumenwiesen in der Natur “etablieren”. Man spricht also ironischer Weise bei der “naturnahen” Gartengestaltung durch eine Blumenwiese von einer Kultur- und nicht Naturlandschaft. Dessen ungeachtet bietet eine Wiese vielen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten einen heutzutage immer rarer werdenden Lebensraum, der verschiedene Kleinklimazonen und jede Menge Nahrung zu bieten hat. Je nach “Standort” des Ökosystems Wiese ändert sich natürlich dessen Beschaffenheit, aufgrund verschiedener Substrat- und Klimabedingungen. Wiese ist also nicht gleich Wiese, die Fachwelt unterscheidet im Moment mehr als 300 verschiedene Wiesentypen… Um das ganze ein bißchen einzugrenzen hat man die Wiesentypen je nach Standortfaktoren in verschiedene Wiesenbiotoptypen eingeteilt, zum Beispiel der Magerrasen, die Fettwiese, die Streuwiese, die Feuchtwiese oder die Salzwiese.

Als Blumenwiese werden artenreiche Wiesen und Viehweiden bezeichnet, die vor allem einheimische, blühende, krautige Pflanzen und Gräser beheimaten. Diese Wiesen bleiben nur dehalb erhalten, weil sie regelmäßig abgemäht werden, der Fachmann spricht hier von der Mahd. Der Schlüssel für eine schöne Wiese ist vor allem das richtige Mähintervall: Ein häufiges Mähen der Wiese verwandelt diese mehr oder weniger in einen Rasen, da schnittverträgliche Gräser im Wachstum begünstigt und Wildstauden ein erfolgreiches gedeihen erschwert. Wird die Wiese überhaupt nicht gemäht, werden sich auf Dauer die schnellwachsenden Gehölze durchsetzten und den lichthungrigen Stauden und Gräsern die Sonne nehmen. Die Wiese würde zum Wald. Das optimale Mähintervall für eine florierende Blumenwiese liegt bei ein- bis dreimal pro Jahr. So können sich Wildstauden erfolgreich ausbreiten und alles was zu hoch hinaus möchte wird im Zaum gehalten. Ein weiterer wichtiger Faktor im Blumenwiesen-Gleichgewicht ist der Nährstoffgehalt des Substrats. Grundsätzlich gilt: Je nährstoffarmer der Boden, desto besser vermehren sich Wildstauden. Ein schnelles Wachstum von Gräsern, die die Wildstauden auf kurz oder lang verdrängen würden, wir durch einen geringen Nährstoffgehalt im Substrat stark erschwert.

Wer im eigenen Garten eine Blumenwiese anlegen möchte, weil er die natürliche Artenvielfalt der Blumenwiese zu schätzen weiß und denkt, ein Blumenwiese braue nicht viel Pflege, hat Recht: Die Wiese schafft einen wertvollen Lebensraum für viele Wildkräuter und Tiere und ist eine gute Möglichkeit seine Garten pflegeleicht und ohne großen Aufwand zu nutzen. Allein das Anlegen einer Blumenwiese kann für mehr oder weniger große Anstrengungen sorgen, da man grundsätzlich zwei verschiedene Strategien verfolgen kann, die jedoch auch unterschiedlich effektiv sind und zu unterschielich guten Ergebnissen führen: Man kann eine bestehende Rasen- oder Beetfläche verwildern lassen, indem man einfach alle Pflegemaßnahmen wie Düngen und Wässern einstellt, alle unerwünschten Pflanzen rodet und die Fläche 1 bis 3mal im Jahr mäht. Diese Vorgehensweise ist zwar nicht besonders aufwändig, sie erziehlt den gewünschten Erfolg jedoch nur sehr langsam. Besser, aber aufwendiger und eventuell auch kostenintensiver ist das professionelle Anlegen einer Blumenwiese, mit einer speziellen Bodenbearbeitung und der Ansaat von Wiesenpflanzen. Bei einer bestehenden, dichten Grasnarbe empfiehlt es sich, den Rasen abzuschälen und den Boden grundlich aufzulockern und umzugraben, hier empfiehlt sich der Einsatz einer motorisierten Fräse. Hat man es mit einem nährstoffreichen Substrat zu tun, kann man die Fruchtbarkeit des Bodens verringern, indem man zum Beispiel Sand einbringt, oder besonders hungrige Pflanzen wie Raps als Vorkultur aussät. Ist der Nährstoffgehalt so hoch, dass diese Methoden nicht oder nicht schnell genug funktioneren, bleibt einem nur der Austausch des Bodens, beispielsweise durch den nährstoffarmen Unterboden (den erkennt man an der helleren Farbe). Für die Aussaat der richtigen Pflanzen hält der Handel unzählige Saatgutmischungen für jeden Geschmack und Standort bereit. Eine gute Wahl sind sogenannte Universalmischungen, die Pflanzen mit unterschiedlichen Standortvorlieben beinhalten und ein schnelles Entstehen von schönen Blumenwiesen begünstigen.

Kategorie(n): Fauna, Flora
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